Sehenswürdigkeiten in Paris: Das Grand Palais
Seit 1900 trifft sich die Welt unter dem größten Glasdach Europas
03.10.2009
Ulrike Niemann
Der Druck lastete schwer auf den Pariser Stadtvätern: Die Metropole war, erneut, zum Austragungsort der Weltausstellung ernannt worden. Doch wie sollte man den überwältigenden Erfolg von 1889 übertrumpfen, als der Eiffelturm die Massen begeistert hatte? Auch das neue Jahrhundert wollte gebührend begrüßt werden: Modernität und Tradition sollten sich in neuen Bauwerken ausdrücken und die Weltausstellung 1900 so zum erneuten Hit der französischen Hauptstadt werden lassen.
Die Idee zum Grand Palais entsteht
1894 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, um Anregungen für den Aufbau der Weltausstellung zu bekommen. Unter den vielen eingereichten Vorschlägen erweckten zwei das Interesse der Pariser Organisatoren: Mit einer neuen Straße (heute Avenue Winston Churchill) und dem Bau einer neuen Brücke (heute: Pont Alexandre III) könnte eine Verbindung der Champs-Elysées mit dem Invalidendom hergestellt werden. Entlang dieser neuen Prachtstraße sollten zwei palastähnliche Gebäude errichtet werden. Um Platz für diese neuen Paläste zu schaffen, könnte man, so die Idee, den Palais d’Industrie abreißen, der durch seinen parallelen Standort zur Champs-Elysées den Blick auf den Invalidendom bisher verhinderte. Gesagt, getan.
Ausstellungsort für Bildende Kunst nach Ende der Weltausstellung
Die Entscheidung, zwei neue Gebäude zu errichten, war gefallen. Nun stellte sich die Frage, wie man sie nach Ende der Weltausstellung nutzen könnte. Der Louvre schien bereits seit Jahren aus allen Nähten zu platzen und so wurde beschlossen, mit den neuen Palästen Abhilfe zu schaffen. Im Grand Palais, das unter Schirmherrschaft des Staates gestellt wurde, sollten später jährliche Kunstsalons stattfinden, in denen Künstler aus aller Welt ihre Werke präsentieren konnten. Das Petit Palais würde die Stadt Paris als Ausstellungsort ihrer Sammlung Bildender Kunst nutzen.
Drei Architekten gestalten das Grand Palais
Erneut ist es ein Wettbewerb, der 1896 entscheidet, wer dem neuen Imponierbau ein Gesicht geben wird. Eine überwältigende Anzahl von 260 Designvorschlägen werden eingereicht, was bei der Preissumme von 15.000 Francs allerdings wenig überrascht. Bald standen die Sieger fest: Albert Louvet wurde zum Sieger erklärt, der zweite Platz ging an das Architekten-Dou Deglane/Binet, Albert Thomas und Charles Girault wurde der dritte bzw. vierte Platz zuteil. Doch keiner der Vorschläge hatte die Verantwortlichen vollständig überzeugt, daher wurde beschlossen, das Grand Palais als kollektive Arbeit durchzuführen. Henri Deglane wurde mit der Gestaltung der Front beauftragt, Albert Thomas mit der hinteren Teil des Gebäudes und Albert Louvet mit dem Zentralbau. Charles Girault koordinierte den Bauablauf und war zusätzlich verantwortlich für die Errichtung des Petit Palais.
Die Konstruktion des Grand Palais: Nur drei Jahre Zeit und schlammiger Boden
Das Jahr der Weltausstellung rückte immer näher: Gerade mal drei Jahre waren für den Bau der beiden Paläste angesetzt worden. Gleich zu Beginn dann eine Katastrophe: Das Land nahe am Seineufer würde, so stellte man fest, nicht in der Lage sein, das Gewicht des neuen Palastes allein zu tragen. Eine Lösung fand sich, doch verzögerte ihre Ausführung die Bauarbeiten für 8 Monate und sprengte das vorgesehene Budget: 3400 Eichenpfähle wurden in den Boden gelassen, um die nötige Stabilität zu erreichen.
Begeisterte Besucher von 1900 bis zum heutigen Tag
Tag und Nacht hatten unermüdliche Hände gearbeitet, um das Grand Palais zum Eröffnungstag der Weltausstellung, am 14. April 1900, fertig zu stellen. Und es gelang, bis auf einige Dekorationen wie Recipons Quadrigas, die erst einige Zeit später den Weg zum Grand Palais fanden. Die Besucher waren begeistert und bejubelten die Kombination aus Stein, Stahl und Glas, die es bis dahin noch nicht in einem derartigen Ausmaß gegeben hatte.
Ein Palast für alle Fälle – FIAC, Monumenta, Haute Couture und Polizeistation
Der Hauptraum des Grand Palais, genannt „Nef" (Hauptschiff) diente seit Bestehen des Gebäudes für Kunstsalons, Ausstellungen, Kunstmärkte wie FIAC, Auto- und Pferdemessen, Buchmessen und Modeschauen der haute couture- Designer von Karl Lagerfeld bis Yves Saint-Laurent. Der Rest des Gebäudes beherbergt das Palais de la Decouverte, ein interaktives Wissenschaftsmuseum und die Nationalgalerie. Die wichtigsten Pariser Ausstellungen sind Jahr für Jahr hier zu finden. Im Keller des 70000 m2 großen Palastes hat übrigens die Polizeistation des 8. Pariser Arrondissement ihren Sitz.
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