Friedensreich Hundertwasser als Architekt

In Eutin wird sein Bauen dokumentiert

17.05.2009 Horst Schinzel

Das Ostholstein-Museum in Eutin zeigt Modelle der doch etwas wunderlichen Bauten dieses vielseitigen Künstlers.

Der Österreicher Friedensreich Hundertwasser – eigentlich Friedrich Stowasser (1928-2000) – war ein ebenso liebenswürdiger wie vielseitiger Künstler. Eine Retrospektive seiner Grafiken hat vor zwei Jahren fast 54.000 Besucher in das Eutiner Ostholstein-Museum gelockt. Und nun hofft dessen neue Leiterin Dr. Julia Hümme auf einen ähnlichen Erfolg mit einer Schau von Architekturmodellen und Bildern, die Hundertwassers baukünstlerisches Schaffen analysieren und dokumentieren.

Wohl jedem Norddeutschen ist schon einmal der verspielte Umbau des Bahnhofes Uelzen aufgefallen – für diese Region eines der viel beachtetsten Beispiele für Hundertwassers Architektur-Ideen. Lange vor den Grünen hat Hundertwasser bereits in den Fünfziger Jahren zu einem naturgemäßen Bauen aufgerufen. Bauen, Natur und Mensch müssten in Einklang gebracht werden, so sein Credo.

Versöhnung von Natur und Bauen

Als einem der Ersten kam ihm die Idee, Hausdächer zu begrünen. Rund vier Jahrzehnte lang hat Hundertwasser seine architektonischen Ideen erst in Modellen und später auch in der Wirklichkeit umgesetzt – umgesetzt, wenn er Geldgeber und seine Ideen zugeneigte Genehmigungsbehörden fanden. Gerade Letzteres war wohl außerhalb seiner österreichischen Heimat – in der modernes Bauen weit populärer ist als in Deutschland – der schwierigste Teil.

Hundertwassers architektonische Ideen sind in einem erstaunlichen Maße umgesetzt worden: Mit dem schon erwähnten Bahnhof in Uelzen konnte der Künstler in seinen beiden letzten Lebensjahrzehnten elf Bauvorhaben umsetzen: Die St.Barbara-Kirche in Bärnbach, die Grüne Zitadelle in Magdeburg, das Rogner-Bad in Blumau, der Hundertwasser-Turm in Abensberg, das Dorint-Hotel auf Teneriffa, das Fernwärmewerk Wien-Spittelau, die „Hohe Haine“ in Dresden, eine Toilettenanlage in Kawakawa auf Neuseeland und ein Ronald McDonald-Haus in Essen

Das Gerade war dem skurrilen Künstler verhasst

Natur- und menschengerecht Bauen, organischer und ökologischer Wohnraum – das war das architektonische Credo dieses Künstlers. Er lehnte jede Monotonie und die gerade Linie als solche ab. Das hat natürlich viel Widerspruch hervorgerufen.

Die Eutiner Ausstellung ist in Zusammenwirken mit der Hundertwasser Privatstiftung Wien und dem KunstHaus Wien zustande gekommen. Außerdem dank der Zuwendungen zahlreicher Sponsoren. Neben den großformatigen Modellen zeigt die Ausstellung Fotografien weiterer Bauvorhaben und Texte des Künstlers. Darüber hinaus sind Filme zu sehen. Der Museumshop bietet zahlreiche Bücher und Souvernirs zum offenbar unerschöpflichen Thema Friedensreich Hundertwasser.

Offensichtlich kann die Eutiner Schau Aufmerksamkeit weit über die Region hinaus beanspruchen. Bereits zur Eröffnung kamen Gäste bis hin nach Wien. Während der Laufzeit der Ausstellung gibt es im Begleitprogramm mehrere Vorträge, eine Exkursion nach Magdeburg und Uelzen und im August zwei lange Hundertwasser-Abende. Hinzu kommen Familien- und Kinderveranstaltungen.

Bis 23. August, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Für Besitzer der „ostseecard“ und Besucher der Eutiner Festspiele ist der Eintritt ermäßigt.

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