Die Renovierung der Stadtkirche in Sigmaringen

Ein Bauobjekt Friedrich Stülers erstrahlt in neuem Glanz

16.12.2009 Monika Hermeling

Eine Vorstellung der Kirche, eine Beschreibung der Renovierung, unter der Bauleitung von Friedrich Traub, die der ausführenden Firma den Peter-Parler Preis einbrachte.

Die Sigmaringer Karlstraße führt, als Prunkstraße, direkt vom Hohenzollernschloss, an den Gerichten und historischen Gebäuden vorbei bis zum Ortsausgang, , Richtung Sigmaringendorf. Einstmals flanierten auf ihr, unter einem herrlichen Baumbestand, die Damen und Herren der gehobenen Sigmaringer Gesellschaft und ihre Verwandten aus dem In- und Ausland. Noch jetzt, im Jahr 2009, wird sie von herrlichen Bauten geziert. Einer dieser ist die Sigmaringer Stadtkirche, die seit 1999 renoviert wird und in diesem Jahr fertig gestellt wurde.

Der Bauleiter Karl Traub war für das Gesamtprojekt verantwortlich. Er stellt die architektonische Bedeutung der Stadtkirche heraus, beschreibt welche „Bausünden“ auszumerzen waren.

„.Der Bau der evangelischen Stadtkirche Sigmaringen wurde Im Jahr 1862 von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen beauftragt. Sie ist eine eigenwillige Komposition des Berliner Oberhofbaurats Friedrich Stüler, einem Schüler des großen Baumeisters Schinkel. 1962, zur 100 Jahrfeier der Stadtkirche, wurde sie von außen, dem damaligem Zeitgeschmack entsprechend, renoviert. Das Bauwerk wurde, obwohl die Arbeiten, unter der staatlich-landeskonservatorischer Aufsicht stattfanden, durch die Renovierung stark in der ursprünglich vom Architekten erdachten Form geschwächt.

Was wurde „renoviert“ und wieder hergestellt?

Die im gotischen Stil entworfenen Fialbekrönungen des Turmoktogons wurden entfernt und durch die damals als schöner empfundenen oder preisgünstigeren, einfachen Pyramidenköpfe mit Kugelknauf in Betonwerkstein ersetzt. Im Westwerk wurden die Fialen und Kreuzblumen, der Einfachheit halber, ersatzlos gestrichen und eine glatte Ortgangsabdeckung in Betonstein aufgebracht.

Wer die heute wieder in den ursprünglichen Zustand gebrachte Fassade betrachtet, kann, ob der damaligen Renovierung, nur den Kopf schütteln. Lange war fraglich, ob die evangelische Stadtkirche in Sigmaringen jemals wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen würde.

Im Jahr 2006 stellte es sich heraus, dass die 45 Jahre alten zementhaltigen Steinersatzmassen ihre Lebenserwartung erfüllt hatten und eine neue Instandsetzungskampagne notwendig wurde. Es war überdeutlich zu sehen, dass die rostenden Eisenarmierungen der 60er Jahre den Betonstein gesprengt hatten.

Eine preiswürdige Wiederherstellung in Naturstein

Das neue Konzept, durch den Steinmetz Eduard Schnell, Fridingen, dem für seine gelungene Renovierung im Mai 2009 auf der Messe stonetec in Nürnberg der Peter-Parler-Preis verliehen wurde, sah den Rückbau und die Wiederherstellung in Naturstein vor. Als Vorlage lag zur Renovierung des Gebäudes lag nur eine Fotografie aus dem Jahr 1877 vor. Nach dieser gelang es Eduard Schnell die Zierfialen und Kreuzblumen, mit Krabben und Laub, im gotischen Stil zu rekonstruieren und damit den Gestaltungswillen des Baumeisters Stüler wieder sichtbar zu machen. In seiner Laudatio lobte das Jurymitglied des Peter-Parler-Preises, Peter Reiner, die Restaurierung durch Eduard Schnell. „Die Erfüllung der Bauaufgaben in dieser Qualität geht weit über das Abarbeiten von Leistungspositionen, wie sie in Verdingungsverordnungen für das Bauwesen beschreiben werden, hinaus. Hier wird spürbar, wie die beiden Steinmetzmeister, Vater und Sohn, an ihrer Berufsehre gepackt, das Beste für das Objekt erreichen wollten. Die Kirche hat auf diese Weise nicht nur eine preiswürdige bauliche Instandsetzung, sondern auch eine religiöse Aufwertung in glorioser, zur Ehre Gottes gereichender Weise, erfahren.“

Die Renovierung der evangelischen Stadtkirche war nicht einfach

Den Fachleuten und auch der Bevölkerung gefällt die klassische Steinerneuerungsmaßnahme, am bis dahin völlig ausgeschieferten und in großen Teilen mit Zementmörtel ausgebesserten Rosettenfenster des Westgiebels der evangelischen Stadtkirche in Sigmaringen, gut. Besondere Sorgfalt wurde auf die von Stüler steinsichtig entworfene Fassade, die natürliche Farbigkeit und Oberflächenbearbeitung, die einen hohen Anspruch an die Natursteinarbeiten stellten.

Da Originalbrüche der Steine nicht mehr vorhanden waren, war es nicht einfach, passende Ersatzsteine für das Kalksteinmauerwerk am Schiff, Kalktuff am Turm und grünlichen oder rötlichen feinkörnigen Sandstein, für die Zierelemente und Gesimse, der ursprünglichen Beschaffenheit nahe, wieder herzustellen. Kleine Witterungsschäden am Naturstein wurden extra für die evangelische Stadtkirche Sigmaringen vor Ort mit speziell abgestimmten Fugen-, Schlämm- und Kittmörtel auf Kieselsolbasis, restauriert. „

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