Die Frauenkirche in Dresden

Wie alte Trümmer und Funde in neuer Bautechnik Platz finden

20.04.2008 Katrin Braun

Vom Abbau des Trümmerbergs bis zum Aufbau des neobarocken Wahrzeichens galt es, originalgetreue Rekonstruktionen zu erarbeiten. Steinmetze setzten Pläne handwerklich um.

60 Jahre dauerte es, bis der originalgetreue Wiederaufbau der 1945 zerstörten Frauenkirche in Dresden abgeschossen war. Das ursprüngliche Kirchengebäude entstand zwischen 1726 und 1743 und gilt als der bedeutenste protestantische Kirchenbau. Das 93 m hohe barocke Bauwerk war aus Sandsteinen erbaut, so wie es heute wieder nachempfunden ist. Lange Jahre waren die Überbleibsel der Kirche ein Mahnmal des Krieges.

Zahlen und Fakten

1. Eingliederung alter Bauteile

Um den Wiederaufbau überhaupt zu verwirklichen, benutzen die Planer ausgeklügelte 3D-Computertechnik, mit der sie sie eine Computersimulation erarbeiteten. Der Trümmerberg umfasste 22.000 Kubikmeter, bevor man ihn bis 1993/94 unter archäologischen Gesichtspunkten abtrug. 8500 wiederverwendbare Steine und Architekturteile der Barockfassade und des Innenraums konnten geborgen werden und großtenteils deren ursprünglicher Standort festgestellt werden, um sie im neuen Bau an altem Standort wieder einzubauen. Zuvor leisteten die Steinmetze vor Ort eine Rekonstruktion der Altsteine. Bauteile, die den Originalbestandteilen nachempfunden wurden, stellten Steinmetze in traditioneller Technik fertig. Die komplette Werksteinplanung für die Steinmetzarbeiten war eine Meisterleistung für sich. Einzelne Steine fertigte man auf Grundlage der steintechnischen Werksplanung. Das bedeutete, dass die zuständigen Planer für jeden einzelnen Stein Schablonen, Sägelisten und Werkstattzeichnungen fertigen mußten. Außerdem war es erforderlich, für die Fertigung von besonderen Bildhauerstücken und Werksteinen Vorgaben zur Oberflächenbearbeitung und zum Steinmetzhieb zu liefern. Im April 1999 war der Innenraum der Frauenkirche bis zur Pfeileroberkante fertiggestellt. Der umbaute Innenraum umfasste 85,780 Kubikmeter. Das alte Turmkreuz, das man aus den Trümmern geborgen hat, befindet sich im beschädigten Zustand als Mahnmal im Kirchenraum inmitten der Besucherbänke.

2. Innere und äußere Kuppel

Auch beim Kuppelbau bemühten sich Ingenieure und Planer dem Originalbauwerk so nahe wie möglich zu kommen. Die Wandstärken der äußeren Kuppelschale zwischen 1,10m und 1,70m entsprechen haargenau den ursprünglichen Maßen. Allein die Kuppel der Frauenkirche wiegt 12.000 Tonnen. Möchte man die Altstadt von Dresden aus einmaliger Perspektive von oben betrachten, macht man dies am besten von der steinernen Laterne aus. Dorthin gelangen Besucher über einen spiralförmigen Aufstieg zwischen innerer und äußerer Kuppelschale. Die innere Kuppel, die den Kirchenraum abschließt, errichteten die Erbauer mittels Lehrgerüst innerhalb eines Jahres.

3. Die Unterkirche

Dem Kirchenraum eingegliedert ist ein Untergeschoß, das Besuchern seit 1996 zur Verfügung steht. Hier führt man einerseits verschiedene öffentliche Veranstaltungen durch. Außerdem gibt es ein kleines Museum, wo Kirchengäste eindrucksvolle Originaltrümmer und Fotos sowie Skizzen für den Wiederaufbau betrachten können.

4. Das Turmkreuz

Deutlich sichtbar glänzte das fühere Turmkreuz über der Stadt Dresden. Grund genug, dieses zu rekonstruieren. Vorlagen dafür holte man sich aus historischen Quellen und geborgenen Trümmern. Die Einzelteile des neuen Kreuzes wurden aus Edelstahl gefertigt, wobei Strahlen- und Wolkenkranz aus Kupferblech geschaffen wurden. Als Zeichen von Frieden und Versöhnung überreichte der Herzog von Kent dieses Kreuz dem sächsischen Landesbischof.

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Frauenkirche Dresden - Aussenansicht, Katrin Braun Frauenkirche Dresden - Aussenansicht
   
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