Die Franzensfeste in SüdtirolEin Kunstwerk österreichischer Kriegsarchitektur
Eigentlich als Talsperre gegen Feinde Österreichs gedacht, fungiert die Franzensfeste heute als Ort für kulturelle Veranstaltungen. Die Geschichte eines Denkmals.
Die Franzensfeste in Südtirol ist eine der größten Festungen in den Alpen. Einst ein Kunstwerk österreichischer Kriegsarchitektur und als strategische Talsperre für das Eisacktal und für das Pustertal konzipiert, erinnert sie heute lediglich an die Absurdität des Krieges. Nie erlebte die bombensichere Franzensfeste einen Angriff. Geschichtenlos trotzt sie der Zeit. Lediglich der Goldschatz der Banca d'Italia, der während des zweiten Weltkrieges in der Festung versteckt wurde, macht Franzensfeste zu einem geheimnisvollen Ort. Die Franzensfeste als Sperre gegen feindliche HeereEnde des 18. Jahrhunderts versuchten Österreich und Preußen mit ihren schwerfälligen Heeren sich gegen Napoleons Truppen zu verteidigen. 1797 gelang es der Armee des französischen Monarchen, der "Armée d'Italie", ohne Schwierigkeiten fast den Brenner zu erreichen. Wien wäre so, über das Pustertal, problemlos zu erreichen gewesen. Diese Ereignisse führten den Erzherzog Johann zu den Überlegungen, die wichtigsten Durch- und Übergänge, von Tirol bis zur Adria, mit Bollwerken zu sichern und bei Brixen eine größere Sperre zu errichten, um für Feinde den Weg ins obere Eisacktal und ins Pustertal zu versperren. Erst nach der erneuten Revolution in Frankreich im Jahre 1830 und den revolutionären Plänen in der Lombardei gegen die österreichische Besatzung in den italienischen Gebieten, fanden Erzherzog Johanns Pläne Anklang. Enormer Bauaufwand und horrende Kosten1833 wurde mit dem Bau der Franzensfeste, welche nach dem damaligen österreichischen Kaiser Franz I benannt wurde, begonnen. Die Baupläne für dieses Militärdenkmal stammten vom Heeresingenieur Franz von Scholl. 6.200 Bauarbeiter lebten während der fünfjährigen Bauphase in einem eigens für diesen Zweck erbauten Lager, das größer war, als die nahe gelegene Stadt Brixen. Für den Bau dieses gigantischen Bauwerks wurden 20 Millionen Ziegel und 250.000 Kubikmeter Granit, das zu jener Zeit wertvollste Baumaterial, verwendet. Kein Wunder also, dass die Kosten für die Festung enorm waren. 2,6 Millionen Gulden kostete der Bau der Franzensfeste. Umgerechnet ist das eine Summe von ungefähr 400 Millionen Euro. 1838 wurde die Franzensfeste schließlich eingeweiht. Franzensfeste: Eine mittelalterliche Burg in moderner BauweiseDie Franzensfeste ist, aus heutiger Sicht, ein überraschend modernes Bauwerk. Auf den ersten Blick erinnert die Festung deutlich an eine mittelalterliche Burg. Meterdicke Mauern und unzählige Schießscharten zieren die Festung. Gleichzeitig sind klare Linien, serielle Architektur und rationale Strenge Andeutung für eine neue Bauweise. Die 200.000 Quadratmeter umfassende Festung ist in drei autonome Forts unterteilt, was, im Falle eines Angriffs, eine geniale Maßnahme gewesen wäre. Der erste Eindruck von verwirrender Weitläufigkeit sollte wohl den Feind irritieren. Angriffe blieben ausÖsterreich hatte mit dem Bau der Franzensfeste ein Zeichen der Stärke gesetzt. Doch die Angriffe blieben aus. Die Art Kriege zu führen änderte sich. Es stellte sich heraus, dass die Festung nur das Eisacktal blockierte, nicht aber, wie eigentlich geplant, auch das Pustertal. Der Nutzen der Franzensfeste war bald umstritten. Ein einziges Mal nur wurde die Festung ausreichend bewaffnet, als 1866 die Österreicher gegen die Preußen und die Venezianer kämpften. Staatsstraße, Autobahn und Zug verlaufen bis heute durch die Festung1867 ratterte der erste Zug über den Brenner. Da neben der Franzensfeste nicht genügend Platz für die Geleise war, wurden sie kurzerhand zwischen dem mittleren und dem oberen Fort gelegt. Ab 1872 fuhr auch die Pustertalbahn durch die Festung. Seit dem Jahr 1970 schlängelt sich außerdem die Autobahn durch das landschaftsprägende Bauwerk. Goldschatz der Banca d'Italia in der Franzensfeste gebunkert 1918 fiel die Franzensfeste an die italienische Militärverwaltung. Im zweiten Weltkrieg wurde die Festung von Hitlers Armee in Beschlag genommen. Am 16. Dezember 1943 rollte ein Zug von Süden kommend, beladen mit schweren Fässern, in den Bahnhof von Franzensfeste ein. Diese Fässer beinhalteten 127,5 Tonnen Gold und wurden allesamt in Stollen der Franzensfeste verstaut. Dieses Gold waren die Reserven der Banca d'Italia. Benito Mussolini hatte es vor seinem Sturz als Ministerpräsident von Rom nach Mailand bringen lassen. Die deutsche Militärverwaltung schaffte das Gold in die Franzensfeste. Im Jahr darauf brachten Geldtransporte den Schatz ins Auswärtige Amt in Berlin, in die Schweizer Banken in Bern und in die Berliner Reichsbank. Als die US-Armee 1945 die Franzensfeste einnahm, fand sie nur noch 25 Tonnen Gold vor, welche später an die italienische Regierung zurückgegeben wurden. Seither ranken sich Geheimnisse um den Schatz in der Franzensfeste. Denn vom Gold, welches angeblich nach Berlin gebracht wurde, verlor sich die Fährte. Befindet sich das Gold etwa noch in der Franzensfeste? Schatzsucher sind davon überzeugt und suchen, bisher allerdings vergeblich, in dem enormen Labyrinth nach Gold. Die Franzensfeste wartet noch immer auf langfristige und sinnvolle NutzungAuf langfristige Nutzung wartend wird die mittlerweile unter Denkmalschutz stehende und frisch sanierte Franzensfeste vorläufig für verschiedene Ausstellungen und Events genutzt. 2008 fand in der Festung die europäische Kunstbiennale "Manifesta7" statt. Im Jahr 2009 war die Festung Ausstellungsort der Südtiroler Landesausstellung "Labyrinth: Freiheit", einer Ausstellung in Gedenken an die Tiroler Rebellion vor 200 Jahren.
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