Die Baugeschichte des Schlosses Schönhausen

Ein preußisches Barockschloss mit ungewöhnlicher Entwicklung

17.12.2009 Harald Rossa

Das Schloss Schönhausen diente unterschiedlichen Zwecken und wurde mehrfach ohne Rücksicht auf die Historie modernisiert. Nun sind die Spuren der Geschichte zu entdecken.

Das barocke Schloss im Ortsteil Niederschönhausen des Berliner Bezirks Pankow hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mehrfach wurde es ohne Rücksicht auf die kunsthistorischen Schätze umgebaut. Nun wurden die Spuren der Geschichte deutlich herausgearbeitet und können im Museumsschloss Schönhausen entdeckt werden.

Das Rittergut Schönhausen

Gräfin Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten erwarb 1662 das Rittergut Niederschönhausen. 1664 ließ sie dort ein Herrenhaus und eine Meierei errichten. 1680 erwarb Joachim Ernst von Grumbkow das Anwesen. Er ließ das dreiflügelige Schloss mit zwei Obergeschossen bauen. 1691 kaufte Kurfürst Friedrich III. für 16.000 Taler das Gut von der Witwe Grumbkow.

Ausbau zum Schloss

Der Kurfürst unterstellte die Ländereien dem Amt Niederschönhausen und ließ von Johann Arnold Nering kleinere Umbauten vornehmen. Ab 1704 ließ der Kurfürst, der inzwischen 1701 in Königsberg zum König gekrönt wurde und nun als König Friedrich I. in Preußen regierte, das Schloss von Eosander von Göthe erweitern. Der Kernbau wurde im Norden und Süden durch eingeschossige Flügel ergänzt. Gleichzeitig wurde der Garten prächtig ausgestattet und erweitert.

Dornröschenschlaf unter dem Soldatenkönig

Nach dem Tod von Friedrich I. im Jahr 1713 kümmerte sich sein Sohn und Nachfolger, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., kaum noch um das Schloss Schönhausen. Beamte des Königs wohnten nun in dem Bau. Der Grundbesitz des Gutes wurde verpachtet. Schloss und Park wurden nicht mehr gepflegt und verkamen.

Sitz der Königin Elisabeth Christine

Im siebenjährigen Krieg verwüsteten russische Truppen das Schloss Schönhausen. König Friedrich II. gab 1764 Mittel frei, damit seine Gattin Elisabeth Christine das Schloss zu seiner heutigen Gestalt umbauen konnte. Jan Bouman leitete die Arbeiten. Dabei wurden die beiden Seitenflügel aufgestockt und der Hof mit einem repräsentativen Treppenhaus überbaut.

Vom Gästehaus zum Lagerhaus

Nach dem Tod der Königin Elisabeth Christine 1797 wurde das Schloss als sommerliches Gästehaus genutzt. Friederike von Mecklenburg-Strelitz, die Schwester der Königin Luise, verbrachte einige Sommer in Schönhausen. In dieser Zeit wurde der Park 1828/1829 durch Peter Joseph Lenné zum englischen Landschaftsgarten. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfielen Schloss und Park. Es diente schließlich als Lagerraum für Möbel und Gemälde.

Ausstellungsraum und Lagerplatz für „Entartete Kunst“

Nach 1926 wurde das Schloss zu einem Ausstellungsgebäude umgebaut und ab 1935 radikal modernisiert. Die Reichskunstkammer nutzte es für Ausstellungen und sammelte hier beschlagnahmte Werke der „Entarteten Kunst“.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss leicht beschädigt. Im September 1945 konnte es bereits wieder als Schule für die Kinder sowjetischer Militärs genutzt werden.

Sitz des Staatspräsidenten der DDR

Die Nutzung durch Wilhelm Pieck, den Staatspräsidenten der DDR, führte zu weiteren Umbauten im Schloss. So wurde der innere Schlossgarten, den der Gartenarchitekt Reinhold Lingner neu gestaltete, durch eine Mauer vom äußeren Park getrennt.

Nach dem Tod Wilhelms Piecks nutzte bis 1964 der Staatsrat der DDR das Schloss. Danach wurde es Gästehaus der Regierung der DDR. Wiederholte Umbauten nagten an der historischen Substanz.

Nach der Wende

Nach der deutschen Wiedervereinigung war das Schloss zunächst im Besitz des Bundes. Bis 1991 nutzte die Bundesrepublik das Schloss noch als Gästehaus. Dann entschied sich die Bundesregierung noch 1991 dazu, auf ein eigenes Gästehaus in Berlin zu verzichten und übergab das Schloss Schönhausen mit dem Schlossgarten an das Land Berlin.

Das hatte auch keine rechte Verwendung für das Haus mit dem hohen Sanierungsbedarf. Vor allem die erhebliche Belastung des Dachgebälks mit giftigen Holzschutzmitteln schränkte die Nutzungsmöglichkeiten des Hauses ein. Ab 1997 versuchte der Liegenschaftsfonds des Landes Berlin das Schloss zu verkaufen. Doch es fand sich kein Käufer. 2003 wurde erwogen, das Schloss Schönhausen als zeitweiligen Sitz des Bundespräsidenten während der Sanierung von Schloss Bellevue zu nutzen. Doch die Experten errechneten dafür einen Aufwand von 12 Mio. Euro. Dieser Gedanke wurde schnell verworfen.

Sanierung ab 2005

2005 wurde das Schloss der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg anvertraut. Diese sorgt für eine umfassende Sanierung und eröffnete es im Dezember 2009 als Museumsschloss mit den Ausstellungsschwerpunkten Elisabeth Christine, Wilhelm Pieck und Gästehaus der DDR sowie die Kunstschätze von Schloss Schlobitten der Familie von Dohna.

Der Schlossgarten

1662 ließ die Gräfin zu Dohna einen frühbarocken Lustgarten anlegen. Königin Elisabeth Christine ließ den Garten im spätbarocker Manier erweitern. Um 1830 verwandelte Peter Josef Lenne den Park in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild.

Nach 1949 wurde der Landschaftspark durch eine Mauer um das Schlossareal herum geteilt. Der Gartenarchitekt Reinhold Lingner legte im Umfeld des Schlosses einen im Stil der Zeit gestalteten Garten mit Staudenbeeten, Trockenmauern und Wasserbecken an. Der wurde von Ernst Kirschner 1966 noch einmal überarbeitet. Der Schlossgarten soll als „Garten der Moderne“ wieder nach den Plänen von Reinhold Lingner gestaltet werden.

Mehr zum Thema

Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit der Nutzungsgeschichte des Schlosses Schönhausen.

Nach der Eröffnung des Museumsschlosses gibt es dort die Sonderausstellung „Schönhausen – wieder entdeckt“. Sie informiert über die jüngsten Wiederherstellungsarbeiten im Schloss und Garten.

Auch werden in diesem Zusammenhang die jüngsten Forschungsergebnisse zur Geschichte von Schloss und Garten Schönhausen in einem Buch veröffentlicht.

Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (Hrsg.): Schönhausen: Rokoko und Kalter Krieg: Die bewegte Geschichte eines Schlosses und seines Gartens, Jaron Verlag, 19,95 Euro in Deutschland

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