Die Baugeschichte des Berliner SchlossesResidenz der Kurfürsten von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern
Das Berliner Schloss wurde 1950 aus politischen Überlegungen heraus entsorgt. Nun kommt es zurück in die Mitte Berlins. Die Weichen für den Neuaufbau sind gestellt.
Das Berliner Schloss hat das Zeug zu einer unendlichen Baugeschichte. 1950 wurde es beseitigt. Und ab 2015 soll es wieder, nun unter dem Namen Humboldt-Forum, in alter Pracht erstrahlen. Die Anfänge unter Kurfürst Friedrich II.Kurfürst Friedrich II. genannt „Der Eiserne“ oder „Eisenzahn“, errichtete ab 1443 die Burg „Zwing-Cölln“ zur Kontrolle des Verkehrs zwischen Berlin und Cölln über die Lange Brücke. 1465 entstand die spätgotische Erasmuskapelle mit einem Turm an der östlichen Fassade zur Spree. Um 1830 wurde von Schinkel eine Zwischendecke eingebaut, um Gemächer für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) zu schaffen. Von der Burg zum SchlossKurfürst Joachim II. machte Berlin zur Residenz der Hohenzollern. Die spätmittelalterliche Burg ließ er weitgehend abtragen. Die Baumeister Caspar Theiss und Kunz Buntschuh begannen mit der Errichtung der prächtigen Residenz im Stil der Renaissance. Der Ausbau im 16. JahrhundertKurfürst Johann Georg machte Rochus Graf zu Lynar zu seinem Hofbaumeister. Unter dessen Leitung entstand das Haus der Herzogin, der westliche Hofabschluss, das spätere Quergebäude mit Appartements für fürstliche Gäste und den Ratsstuben. Im Verbindungsbau zum Schloss wurde die Hofapotheke eingerichtet. Neuanfang nach dem Dreißigjährigem KriegNach dem Dreißigjährigen Krieg war das Schloss ziemlich heruntergekommen. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ es wieder herrichten. Zum Ende seiner Herrschaft entstanden bedeutende Innenräume wie die Kugelkammer und die Braunschweigische Galerie im Galerietrakt an der Spree, den Johann Arnold Nering ausführte. Ausbau zur prächtigen Königsresidenz im 18. JahrhundertUnter Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I. in Preußen, wurde das Berliner Schloss ab 1699 durch den Hofbaumeister Andreas Schlüter es zu einem der bedeutendsten zur Königsresidenz ausgebaut. Vorbild war der italienische Barock. Der Palazzo Madama in Rom stand Pate. Viele der von Schlüter, der auch Hofbildhauer war, entworfenen Skulpturen erinnern an Michelangelo. Die Repräsentations- und Privaträume des Schlosses wurden mit Deckengemälden ausgestattet. Die stammten unter anderem vom Hofmaler Terwesten. Nach dem Fiasko beim Bau des Münzturms, der noch vor Vollendung wieder abgetragen werden musste, verlor Schlüter 1706 sein Amt als Hofbaumeister. Ihm folgte Eosander, der einen weiteren Plan zur monumentalen Erweiterung des Schloss vorlegte. Ein nach Westen gerichteter Erweiterungsbau sollte das Schloss in seiner Größe verdoppeln. En Portal sollte von einem über 100 Meter hohen Turm mit Kuppel bekrönt werden. Eine Säulengalerie soll den Schlüterhof mit seinem Hof verbinden. Eosander kann diese Pläne nicht vollenden. Denn 1713 starb König Friedrich I. und hinterließ einen fast bankrotten Staat. Der neue König Friedrich Wilhelm I. verordnete ein radikales Sparprogramm und erhob diverse Vorwürfe gegen Eosander, den er nach den Trauerfeiern für seinen Vater aus dem Amt warf. Bei aller Sparsamkeit ließ der junge König das Schloss doch durch Martin Heinrich Böhme vollenden. Die Lücke zwischen dem Eosanderportal und dem Schlüterbau wurde geschlossen. Doch auf jeden Prunk im Inneren wurde verzichtet. Sogar vorhandene Deckengemälde ließ Friedrich Wilhelm I. weiß übertünchen. Damit war 1716 das Schloss äußerlich weitgehend vollendet. Nur die von Schinkel entworfene Kuppel wurde nach 1845 durch Friedrich August Stüler und Albrecht Dietrich Schadow aufgesetzt. Im Inneren des Berliner Schlosses ließ jeder preußische Herrscher bis zum Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918 immer wieder neue Raumfluchten schaffen oder neu gestalten. Bedeutende Baumeister und Künstler waren daran beteiligt, darunter Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Carl von Gontard, Carl Gotthard Langhans, Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und Karl Friedrich Schinkel. Die Zerstörung des Berliner Schlosses im Zweiten WeltkriegDas Stadtschloss wurde im Februar 1945 von Bomben getroffen und brannte weitgehend nieder. Bei folgenden Straßenkämpfen wurden die Fassaden weiter in Mitleidenschaft gezogen. Das Schloss war im Mai 1945 eine nach Expertenmeinung aufbaufähige Ruine mit einigen noch nutzbaren Teilen. Die Beseitigung des Berliner Schlosses 1950Unmittelbar nach den Zerstörungen war ein Wiederaufbau des Berliner Schlosses gefordert worden. Die zuständigen Gremien Berlins hatten sich einmütig dafür ausgesprochen. Doch es entstanden Pläne zur sozialistischen Umgestaltung der Mitte Berlins. Das Stadtschloss, ein Symbol des preußischen Absolutismus, hatte darin keinen Platz. Ab September wurden die Reste des Berliner Schlosses gesprengt und abgetragen. Die Freifläche wurde als Aufmarschplatz hergerichtet und trug nun den Namen der Marx-Engels-Platz. Das Staatsratsgebäude erhält ein Portal des Berliner SchlossesKarl Liebknecht rief von einem Balkon des Portals IV, auch Eosanderportal genannt, des Schlosses 1918 die sozialistische Republik aus. Eine Nachbildung dieses Portal wurde als „Karl-Liebknecht-Portal“ in das 1964 entstandene Staatsratsgebäude an der Südseite des Schlossplatzes eingebaut. Der Palast der Republik1973 wurde mit dem Bau des Palastes der Republik begonnen, der 1976 eingeweiht wurde. Schon bald nach de Wende fiel die Entscheidung, begründet mit der Verseuchung des Baus durch Asbest, den Palast der Republik zurück zu bauen. Dieses Werk wurde Anfang Dezember 2008 vollendet. Wir wollen unser Schloss wieder haben1990 flammte die Diskussion zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses sofort wieder auf. 1992 wurden zwei Initiativen gegründet: die „Gesellschaft Berliner Schloss e.V.“ und der „Förderverein Berliner Schloss e.V.“ Der Förderverein initiierte 1993/1994 für eineinhalb Jahre eine farbige Fassadeninstallation des Schlosses. 2001 gründete sich schließlich der gemeinnützige „Verein Stadtschloss Berlin Initiative e.V.“ Der tritt dafür ein, eine neues Stadtschloss Berlin in Anlehnung an die historischen Abmessungen und mit Fassaden im barocken Stil unter Einbeziehung des Renaissanceflügels und des sogenannten Apothekerflügels zu errichten. Entscheidung für den WiederaufbauEine von der Bundesregierung und dem Senat von Berlin 2000 eingesetzte Kommission Historische Mitte Berlin schlug 2002 vor, einen Neubau in der Kubatur des Schlosses auf dem originalen Standort anstelle des abzureißenden Palastes der Republik zu errichten. Mit dem Neubau sollten zumindest drei Barockfassaden und der Schlüterhof nach dem historischen Vorbild gestaltet werden. Es wird ernst, die Diskussion geht weiterIm Juli 2002 stimmte der Bundestag dem Wiederaufbau des Schlosses als einem Humboldt-Forum zu. Ein Architektenwettbewerb wurde im November 2007 ausgeschrieben. Am 28. November 2008 kürte die Jury den Sieger Francesco Stella, der es schafft „einerseits das Historische wieder entstehen zu lassen und andererseits eine moderne Antwort“ zu finden. Der Bundesbauminister will mit dem Bau 2010 beginnen und 2015 sollen die neuen Nutzer, also vor allem die Staatlichen Museen Berlin, ihre Besucher in den Neuen Räumen begrüßen können.
Der Artikel Die Baugeschichte des Berliner Schlosses in Architektur unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Die Baugeschichte des Berliner Schlosses ist Harald Rossa.
Ähnliche Artikel
Ähnliche Themen
Schlagworte
Mehr in Kunst & Mode
|