Die Friedenskirche im Park Sanssouci

Preußens König Friedrich Wilhelm VI. schuf sich seine Grablege

08.02.2010 Harald Rossa

Die Friedenskirche am Rande des Parks von Sanssouci ließ Friedrich Wilhelm IV. nach Plänen von Ludwig Persius als Grablege für sich und seine Gattin errichten.

Nach dem Vorbild italienischer Klosteranlagen ließ der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Friedenskirche im Park Sanssouci errichten. In der Gruft untern dem Altar wurden Friedrich Wilhelm IV. und seine Gattin Elisabeth Ludovika beigesetzt.

Die Baugeschichte der Friedenskirche

Der Entwurf für die Friedenskirche stammte von Ludwig Persius. Am 14. April 1845 wurde der Grundstein gelegt. Wenige Wochen später starb der Architekt Ludwig Persius. Dessen Kollege Friedrich August Stüler führte die planerischen Arbeiten fort. Ferdinand von Arnim und Ludwig Ferdinand Hesse übernahmen die Bauleitung.

Die Kirche wurde am 24. September 1848 geweiht. An den Nebenanlagen wurde noch bis 1854 gebaut.

Auf der Nordseite der Anlage wurde zwischen 1888 und 1890 das Kaiser-Friedrich-Mausoleum nach Plänen von Julius Carl Raschdorff angebaut. Vorbild für das Mausoleum war die Heilig-Grab-Kapelle von Innichen/San Candido (Tirol) aus dem 17. Jahrhundert.

Der Kirchenbau

Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit einem frei stehenden Campanile. Vorlage für die Friedenskirche war ein früher Kupferstich der Kirche San Clemente in Rom. Eine flache Kassettendecke schließt den Kirchenraum nach oben ab. Goldene Sterne auf blauem Grund sind dort zu sehen.

In der Apsis ist ein venezianisches Mosaik aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts zu sehen. Das stammt aus einer zum Abbruch bestimmten Kirche in San Cipriano auf der Insel Murano bei Venedig.

Am Ende des rechten Seitenschiffes liegt die ehemalige Taufkapelle. Der Taufstein wurde 1965 in den Kirchenraum versetzt. Das linke Seitenschiff wird von der Sakristei abgeschlossen. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV. war sie vorübergehend sein Mausoleum. Auch später wurde die Sakristei vorübergehender Aufbahrungsort für verstorbene Mitglieder des Hauses Hohenzollern genutzt.

An der Südseite der Anlage steht der 42 Meter hohe Campanile mit 7 offenen Obergeschossen nach dem Vorbild von Santa Maria di Cosmedin in Rom. Vier Glocken, sie tragen die Namen Gratia, Clementia, Pax und Gloria, klingen vom dritten Turmgeschoss. Sie haben gar die Einschmelzaktionen der Weltkriege überstanden.

Die offene Vorhalle vor dem Westportal öffnet sich zu einem von einem Arkadengang umgebenen Atrium. Dort steht auf dem Brunnen eine überlebensgroße Christusstatue. Sie ist eine Nachbildung einer 1821 von Bertel Thorvaldsen für die Kopenhagener Frauenkirche geschaffenen Plastik.

Grablege für Friedrich Wilhelm IV.

Unter zwei Marmortafeln vor den Stufen zum Altar befindet sich die Gruft des Herrscherpaars. Am 2. Januar 1861 starb Friedrich Wilhelm IV. Sein Sarg wurde zunächst in der Sakristei der Friedenskirche aufgebahrt. Im Oktober 1864 konnte der Sarkophag in die Gruft überführt werden.

König Friedrich Wilhelm IV. hat sich einen Sonderwunsch ausbedungen. Er hat zwei Grabstellen. Sein Herz wurde auf seinen Wunsch hin in der Hohenzollerngruft des Schlosses Charlottenburg beim Sarkophag seiner Mutter, der Königin Luise, beigesetzt.

1873 folgte ihm seine Gemahlin Elisabeth Ludovika in die Gruft der Friedenskirche.

Das Kaiser-Friedrich-Mausoleum

Das Kaiser-Friedrich-Mausoleum ist ein Kuppelbau mit ovalem Grundriss und einem rechteckigem Altarraum. Im Zentrum steht eine von Reinhold Begas geschaffene Nachbildung des Sarkophags für den 1888 verstorbenen Kaiser Friedrich III. 1905 ließ Kaiser Wilhelm die sterblichen Überreste seines Vorgängers samt Sarkophag in den Berliner Dom überführen.

Daneben ruht die 1901 verstorbene Viktoria, die Gattin von Friedrich III. in einem ebenfalls von Begas geschaffener Sarkophag. Der schuf auch die an den Seitenwänden des Altarraums stehenden Sarkophage der verstorbenen Söhne des Kaiserpaars: Prinz Sigismund (1864–1866) und Prinz Waldemar (1868–1879).

Seit 1991 steht an den Stufen zum Altar der Sarkophag des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. Der war wie sein Sohn Friedrich II. in der Potsdamer Garnisonkirche beigesetzt worden. Die sterblichen Überreste beider Könige wurden kurz vor Kriegsende 1945 aus der Garnisonskirche geborgen. Bis 1953 waren sie in der Elisabethkirche in Marburg. Dann kamen sie auf die Burg Hohenzollern bei Hechingen.

Der Marlygarten

Der älteste Teil des heutigen Parks Sanssouci war zur Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. der Küchengarten des Hofes. Sein Sohn Friedrich konnte bei Spaziergängen mit seinem Vater von hier aus den Hügel sehen, auf dem er später das Schloss Sanssouci errichten ließ. Mit dem Bau der Friedenskirche wurde der Küchengarten ab 1846 von Peter Joseph Lenné in einen Landschaftsgarten umgewandelt. In gründlicher Instandsetzung ist der Marlygarten wieder ein besonders schöner Flecken im Park von Sanssouci.

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