Das Neue Palais im Park Sanssouci in Potsdam

Friedrich II. demonstrierte mit diesem Palast die Stärke Preußens

09.12.2009 Harald Rossa

Das Neue Palais ist der größte Schlossbau in Potsdam. Friedrich II. ließ es nach dem Siebenjährigen Krieg als Signal der preußischen Stärke an die Welt errichten.

Das Neue Palais am westlichen Ende der Hauptallee durch den Park Sanssouci ist schon von weitem deutlich sichtbar. Friedrich II. ließ es nach dem Siebenjährigen Krieg errichten. Der Bau war eine „Fanfaronade“ in die Welt. Der preußische König wollte mit diesem Riesenbau zeigen, dass auch nach den an den Kräften des Staates zehrenden Kriegen Preußen in der Lage ist, auch große Projekte anzupacken.

Der Bau des Neuen Palais

Das Neue Palais ist ein gewaltiger Schlossbau. Es war vor allem zur Beherbergung fürstlicher Gäste bei ihren Aufenthalten in Potsdam gedacht.

An dem Bau waren die Baumeister Johann Gottfried Büring, Heinrich Ludwig Manger, Carl von Gontard und Jean-Laurent Le Geay beteiligt. Baubeginn war 1762 unmittelbar nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges. Nach nur 7 Jahren Bauzeit war das Neue Palais mit den dazu gehörigen Communs und der Kolonnade 1769 fertig.

Die Gestaltung des Neuen Palais

Das Neue Palais ist eine dreigeschossige Dreiflügelanlage. Die Seitenflügel sind mit Kopfbauten verbreitert. Der dreigeschossige Mittelbau trägt eine, 55 Meter hohe Kuppel mit drei Grazien, die auf einem Kissen die Königskrone halten. Golde Adler krönen die Laternen der kleineren Kuppeln der eingeschossigen Nebengebäude im Süden und Norden. Die Außenwände erhielten einen Anstrich, der wie rotes Backsteinmauerwerk wirkt. Nur der südliche Seitenflügel mit der Königswohnung ist aus rotem Backstein gemauert. Über 400 Plastiken aus Sandstein schmücken das Schloss und die Nebengebäude.

Das Neue Palais ist im Inneren in Appartements aufgeteilt. Die sind über vier Treppenhäuser erreichbar. Dazu gibt es im Mittelbau große und prächtig ausgestattete Festsäle und Galerien. Das Schlosstheater, Mitglied der Europastraße historischer Theater, ist im südlichen Anbau eingerichtet.

Die Innenräume sind mit Deckengemälden, vergoldeten Stuckdekorationen, geschnitzten Vertäfelungen und textilen Wandbespannungen gestaltet. Zahlreiche Gemälde, viel Porzellan und wertvolle Möbel vervollständigen die Ausstattung.

Die Prachträume des Neuen Palais sind der Marmorsaal im Ersten Obergeschoss und der darunter liegende Grottensaal.

Die Nutzung des Neuen Palais

Friedrich II. hat das Neue Palais kaum als Wohnung genutzt. Nach seinem Tod wurde das Schloss als Gästewohnung und für Festlichkeiten genutzt.

Prinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III., wurde 1831 im Neuen Palais geboren. Der nutzte nach es seiner Hochzeit mit der Prinzessin Viktoria ab 1859 als Sommerresidenz. Während seiner kurzen Regierungszeit als „99-Tage-Kaiser“ 1888 erheilt das Neue Palais den Namen „Schloss Friedrichskron“. Hier am Ort seiner Geburt starb Friedrich III. am 15. Juni 1888.

Kronprinz Friedrich Wilhelm ließ den Wassergraben um das Neue Palais zuschütten und das Schloss modernisieren. Diese Arbeiten ließ sein Sohn Wilhelm II. fortführen. Eine Dampfheizung, elektrisches Licht, Badezimmer und Toiletten wurden eingebaut. 1903 wurde gar ein Fahrstuhl im Nordtreppenhaus in Betrieb genommen. Wilhelm II., der letzte preußische König und deutsche Kaiser, und seine Gattin Auguste Viktoria wählten das Neue Palais zu ihrer bevorzugten Wohnung bei Aufenthalten in Potsdam.

Nach der Abdankung von Wilhelm II. 1918 und dem Thronverzicht des Kronprinzen Wilhelm 1919 wurde das Neue Palais ein Museumsschloss. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Schloss weitgehend wie zu der Bauzeit unter Friedrich II. im friderizianischen Rokoko ausgestattet.

Nach dem Kriegsende gingen viele Kunstwerke verloren und Teile der Einrichtung wurden zerstört.

Das Neue Palais heute

Etwa 200 Räumen sind in dem Schloss vorhanden. Etwa 60 stehen für Besichtigungen offen. Im Südflügel des Neuen Palais ist das Schlosstheater, das auch heute noch als Spielstätte genutzt wird, zu finden.

Ansonsten ist das Neue Palais ein besonderes Sorgenkind der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Der Bauherr Friedrich II. ließ zwar prächtige Fassaden und Räume gestalten. Doch beim Baumaterial wurde gegeizt. Seine Baumeister mussten immer mit weniger Auskommen als sie veranschlagten. So wurde beim Holz gespart und auf gemauerte Gewölbe verzichtet. Die Dachentwässerung durch das Haus hielt nicht sehr lang und sorgte für Feuchteschäden. All dies bereitet den Restauratoren heute viel Kopfzerbrechen und kostet bei der Sanierung viel Geld. Dank der Mittel für den Masterplan hofft die SPSG, dass das Neue Palais zum 300. Geburtstag des sparsamen Großen Königs im Jahr 2012 wieder weitgehend nutzbar ist. Um aber die alte Schönheit wieder herzustellen bedarf es weiterer Mittel. Dazu hat die SPSG die Spendenaktion „Ein Quart Geschichte“ angeleiert.

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Gartenseite des Neuen Palais im Park Sanssouci, SPSG Gartenseite des Neuen Palais im Park Sanssouci
Ehrenhofseite des Neuen Palais im Park Sanssouci, SPSG Ehrenhofseite des Neuen Palais im Park Sanssouci
Im Kellergeschoss des Neune Palais, SPSG Im Kellergeschoss des Neune Palais
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