Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Das Schloss am Heiligen See sah etliche königliche Bewohner

22.09.2009 Harald Rossa

Am Heiligen See ließ Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. seine Sommerresidenz, das Marmorpalais, errichten. Heute gehört es zum Weltkulturerbe.

Der preußische König Friedrich Wilhelm II. ließ sich am Ufer des Heiligen Sees im Neuen Garten zu Potsdam das Marmorpalais errichten. Den Bau entwarf Carl von Gontard. Ab 1789 sorgte Carl Gotthard Langhans für die Ausstattung des Schlosses. 1792 konnte der König nach 5 Baujahren sein Sommerdomizil beziehen.

Der Bau am Heiligen See

Der klassizistische Ursprungsbau des Marmorpalais ist ein zweigeschossiger quadratischer Baukörper aus rotem Backstein. Das Flachdach trägt einen Rundtempel, von dem das Schloss auf der Pfaueninsel sichtbar ist, mit Putten als Abschluss. Seinen Namen erhielt dieses Sommerschloss durch die Gliederung der Fassaden mit grauem und weißem Marmor aus Schlesien.

An der Wasserfront führen von der Terrasse Freitreppen bis ans Ufer des Heiligen Sees. So konnten König und Gefolge direkt zum Boot gelangen und so auf dem angenehmen Wasserweg die Pfaueninsel oder andere Schlösser wie Caputh oder Charlottenburg erreichen. Am Seeufer liegt die ehemalige Küche des Schlosses, die äußerlich von Langhans als Tempelruine gestaltet wurde.

Schon 1797 wurde nach Plänen Michael Philipp Boumann mit dem Bau von zwei eingeschossigen rechteckigen Seitenflügeln begonnen, die durch Galerien im Viertelkreis mit dem Hauptbau verbunden sind. Den Marmor lieferten die Kolonnaden aus dem friderizianischen Park Sanssouci. Der König starb 1797 während der Bauarbeiten. Sein Sohn Friedrich Wilhelm III. ließ lediglich die Bauten fertig stellen und verzichtete auf den Innenausbau.

Die Räume im Marmorpalais

Carl Gotthard Langhans begann Anfang 1790 mit der Gestaltung der Innenräume. Marmorkamine und antike Skulpturen waren wichtige Schmuckelemente. Die hatte im Auftrag des Königs der Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff für das Marmorpalais in Italien erworben.

Der Eingangsbereich des Zentralbaus reicht über beide Geschosse. Dahinter liegt der Grottensaal, der im Sommer als Speisezimmer diente. An der Mittelachse des Palais lagen die sechs Wohnräume des Königs. Im Obergeschoss sind die Räume um die in der Mitte ankommende Marmortreppe gruppiert. Der Konzertsaal nimmt die gesamte Seeseite des Palais in Anspruch.

Die Ausstattung und Gestaltung der Räume folgte dem Zeitstil des Klassizismus. Eine Ausnahme war das Orientalische Kabinett im Obergeschoss, das wie ein türkisches Zelt mit einem Diwan eingerichtet wurde.

Die Bewohner des Marmorpalais

Friedrich Wilhelm II. ließ sich das Marmorpalais als Sommersitz errichten. Eng verbunden mit dem Marmorpalais ist die Verbindung des Königs mit Wilhelmine Enke. Die hatte einen erheblichen Einfluss bei der Gestaltung des Schlosses. Für Wilhelmine Enke, die zur Gräfin Lichtenau erhoben wurde, wurde gegenüber der Gotischen Bibliothek im Neuen Garten das Palais Lichtenau nach Plänen Michael Philipp Boumann errichtet.

Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm III. nutzte das Palais praktisch nicht und ließ die Arbeiten am Haus ruhen. Ab etwa 1830 nutzte Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., und seine Gemahlin Augusta das Marmorpalais während des Baus ihres Schlosses Babelsberg als Sommersitz. König Friedrich Wilhelm IV. ließ durch Ludwig Ferdinand Hesse ab 1843 die Seitenflügel einrichten. Seitdem schmücken Fresken mit Motiven aus der Nibelungensage die Kolonnaden. 1881 bezog Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm II., mit seiner Familie das Marmorpalais und lebte hier bis zur Krönung 1888. 1904 bezog Kronprinz Wilhelm, der älteste Sohn von Kaiser Wilhelm II., und dessen Gemahlin Cecilie das Marmorpalais. 1917 zog das Paar in das nahe und eigens für sie im Neuen Garten errichtete Schloss Cecilienhof.

Das Marmorpalais nach dem Ende der Monarchie

Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm 1926 die preußische Schlösserverwaltung das Haus im Neuen Garten, Im August 1932 wurde es als Schlossmuseum eröffnet.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs richteten Bomben und Granaten große Schäden am und im Marmorpalais an. Die Nutzung durch die Rote Armee als Offizierskasino führte zu weiteren Verlusten an Kunstwerken und Ausstattungsgegenständen.

1961 wurde der Neue Garten zum Grenzgebiet. Im Marmorpalais wurde dann das Deutsche Armeemuseum der DDR untergebracht. In den Schlossräumen waren historische Kriegsgeräte, etliche Uniformen und Dokumente zu sehen. Im Garten waren Kanonen, ein Panzer T-34, ein Schnellboot, ein MiG-Jagdflugzeug und eine Rakete zu bewundern. Die Nationale Volksarmee (NVA) begann 1984 mit der Planung für eine grundlegende Instandsetzung des immer weiter verfallenden Baus. 1988 wurde mit den Arbeiten begonnen, die ab Spätherbst 1990 nach der Rückgabe an die Schlösserverwaltung, die heutige Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) von dieser fortgeführt wurden.

Das Marmorpalais in Potsdam heute

Seit 2006 sind die vierzig Räume im Marmorpalais, dass auch zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Arbeiten an der Außenfassade wurden im Herbst 2009 abgeschlossen. Am 23. September 2009 feierten Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und der Generaldirektor der SPSG, Hartmut Dorgerloh, den vorläufigen Abschluss der Sanierung des Marmorpalais. Die Stiftung kündigte weitere Arbeiten im Umfeld an. So sollen die Ufermauern und Treppen zum See wieder hergerichtet werden. Und an dem Küchengebäude ist einiges zu tun. Das kann dank der Sondermittel für den Masterplan bis 2012 erledigt werden.

Anschrift: Marmorpalais, Im Neuen Garten, D-14467 Potsdam, Fon +49 (0)331 96 94-200

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